Schützengesellschaft 1853

Die Waldbreitbacher Schützengesellschaft von 1853

Anmerkenswerte Details nebst kleinen Kuriositäten aus der alten Vereins-Chronik

 

1853: Gründung der Waldbreitbacher Schützengesellschaft. Als Hauptmann und Hauptmann-Stellvertreter fungierten Bürgermeister König und Apotheker Fr. W. Hoerder. 20 Mitglieder, in der Mehrzahl „reputierte Leute“, zählte man bereits im August 1853. Darunter waren Steuerempfänger, Sekretair, Schichtmeister, Kaufleute, Lehrer, Müller, Bäcker, Gastwirthe, Gutsbesitzer, Gerichtsschöffe, Polizeidiener, Förster etc.

1853: Die Gewinne des „ersten Preisschießen“: 1. eine Reisetasche, 2. ein Pulverhorn, 3. eine Pfeife für 15 Silbergroschen

1857: Zunächst war das Vereinslokal bei dem „Wirth Brücken“, dann Wechsel zum Wirth Peter Schmitz

1861: Mitglieder-Liste weist über 60 Personen aus, darunter Schützen aus Rossbach, Bremscheid, Niederbreitbach, Rengsdorf, Jahrsfeld, Bonefeld, Neustadt, Horhausen, Neuwied und Rengsdorf. Über Aufnahme neuer Mitglieder wurde durch eine „Ballotage“ entschieden. In Einzelfällen verweigerte die Gesellschaft die Abstimmung. Den Unterlegenen wurde anheim gestellt, die Bewerbung im folgenden Jahr zu wiederholen.

1865: Zur Waldbreitbacher Kirmes versammelten sich die Schützen mit ihren Kirmes-Gästen im Schützenlocale und blieben dort bis Morgens früh zusammen.

1866: Die Festlichkeiten zur Kirmes entfallen, da viele Schützen sich zum „ruhmreichen Krieg“ gegen Österreich und gegen die „Süddeutschen“ aufmachen mußten.

1868: Das soziale Engagement der Gesellschaft. Das Jahr 1867 war durch eine Mißernte gezeichnet. Der übliche Vorrat an Setzkartoffeln bei der Bevölkerung war aufgezehrt. Die Schützen organisierten eine große Verlosung. Als Resultat wurde eine bedeutende Summe erzielt. Die Schützengesellschaft legte aus der Vereinskasse einen weiteren Betrag hinzu, für den Kauf von 70 Ztr. Kartoffeln. Somit war man in der Lage, insgesamt 400 Ztr. Kartoffeln an die Bedürftigen „Armen der Bürgermeisterey zu vertheilen“.

1879: Der Rechner der Gesellschaft,  Peter Becker, legt ein Attest vor, aus dem hervorgeht, daß die für die Armenkasse der hiesigen „Bürgermeisterey“ bestimmte Spende in Höhe von „236 Mark und 48 Pfennige“ als Unterstützungsgeld abgeführt wurde.

1879: Für die Veranstaltung eines „Balles“ soll laut Beschluß die Musikkapelle der „Anhäuser“ engagiert werden. Vorausgesetzt wird, daß diese bereit sind, die Aufgabe für ca. 36 bis 40 Mark zu übernehmen.

1887: In der Mitgliederversammlung entsteht eine „scharfe Debatte“, ob es nicht angebracht sei, in Zukunft nur die „Vorderlader“ zu verwenden. Ein eingebrachter Antrag aber findet keine Mehrheit. Vielmehr wird das „Schießen mit Hinterlader weiter als Zulässig beibehalten“.

1890: Bedingt durch mangelhafte Beteiligung des Balles der letzten Kirmes wird erwogen, den Ball 8 Tage nach der Nachkirmes zu veranstalten. „Es wurde zwar nicht mehr so recht die Lust zum Tanzen und Trinken verspürt, jedoch die Anwesenden hatten einen amüsanten Abend.“

1894: Für das vorgesehene Preisschießen werden 20 Preise ausgesetzt. Darunter „1 Stück Leinen, 1 Sessel, 1 Kaffeeservice, 1 Petroleumkanne, 1 Spiegel, 1 Decke etc.pp. Die Mehrzahl der Preise wird von den Kaufleuten und zahlungskräftigen Mitgliedern gestiftet.

1901: Die „fürstliche Rentkammer“ erlaubt die Erweiterung des Schützenplatzes. Sie knüpft die Erlaubnis an die Bedingung, die Pacht von jährlich 2 Mark auf 3 Mark zu erhöhen.

1903: Dem Vereins-Kassierer wird eine Unterschlagung von Mark 93,78 nachgewiesen. U.a. ist dies die Ursache, daß einige Mitglieder den Austritt aus der Gesellschaft erklären.

1903: Am 28. Juni wurde das 50-jährige Stiftungsfest veranstaltet. Zum Fest war eine neue Fahne angeschafft worden. An dem Festzug beteiligten sich 7 Gastvereine. Diese marschierten nach Niederbreitbach, um dort das Ehrenmitglied Herr Jacob van der Emden abzuholen. Er war Mitbegründer der Gesellschaft und wurde dieserhalb von Hauptmann Mengelberg mit der „goldenen Ehrenkrone“ geehrt. Der Uhrmacher Ferd. Brustmann wurde „Jubel-Schützenkönig“, dem auf dem Festball eine Ehrung zu Teil wurde. Eine Woche später, am 5.Juli, „wurde für die Mitglieder ein geschlossener Ball veranstaltet. Auf dem Balle gings in sehr gehobener Stimmung lustig und fidel her“.

1909: Im Mitgliedsregister werden 31 Schützen als Mitglieder geführt. Auf einer Einladung zum Fest des „Kaisers Geburtstag“, die von allen Mitgliedern zu zeichnen war, vermerkt die Gattin des Foerster Wollenhaupt aus Neustadt „…..und wo bleiben wir die treuen Ehefrauen?“ Als Antwort notiert Bürgermeister Heffels abschließend „…zu Hause !“

Ein Rest vom Schützenfest 1910 Am alten Schießplatz oberhalb der "Drei Weiher" stellt sich ein Teil der Waldbreitbacher Schützengesellschaft, auch als die "Huhbeener" im Sinn von "die besser und höher gestellten Persönlichkeiten" bekannt, zum Gruppenbild auf. v.l.n.r.: August Merl, ?, Uhrmacher Brusmann, ?, Förster Schrader, Simon Boden (Zimmermeister), Johann Jungbluth (Niederbreitbach), August Nassen, ?, Wilhelm Bunggarten (Bäckermeister), ?, Scheid (Post), Mertesacker (Wiesenmeister beim Fürst), ?, Förster Schwinnen, Jakob Nassen, Peter Rams

Ein Rest vom Schützenfest 1910
Am alten Schießplatz oberhalb der „Drei Weiher“ stellt sich ein Teil der Waldbreitbacher Schützengesellschaft, auch als die „Huhbeener“ im Sinn von „die besser und höher gestellten Persönlichkeiten“ bekannt, zum Gruppenbild.
v.l.n.r.: August Merl, ?, Uhrmacher Brusmann, ?, Förster Schrader, Simon Boden (Zimmermeister), Johann Jungbluth mit Vereinsfahne (Bäckermeister aus Niederbreitbach), August Nassen, ?, Wilhelm Bunggarten (Bäckermeister), ?, Scheid (Post), hintere Reihe rechts Johann Mertesacker (Wiesenmeister beim Fürst zu Wied, Forsthaus Nonnenbach), ?, Förster Schwinnen, Jakob Nassen, Peter Rams

1920: Im Auftrag der Schützengesellschaft wird an den „amerikanischen Offizier für Zivilsachen“ zu Neuwied ein Gesuch vorgelegt mit der Ankündigung: „Die Schützengesellschaft will am Sonntag den 22. August 1920 in Waldbreitbach einen Festzug mit der Vereinsfahne veranstalten. Waffen oder nationale Fahnen werden nicht getragen. Die Genehmigung wird hierzu erbeten. – Unterschrift – Die Dienststelle der Amerikaner – Office of Affairs, Kreis Neuwied vermerkt: 1. Genehmigt, John F. Goodmann Capt. Infantry.

Gruppenbild um 1924 Erkennbare Schützen v.l.n.r.: August Merl, Apotheker Matthias Ditscheid, Peter Rams, Franz Nassen, Willi Schmitz, Lehrer Cohnen ?, Marx Zimmermann, Wilhelm Bunggarten, Gustav Hertling, Hermann Becker, August Nassen, Theo Levy, Josef Scheid, Simon Boden, vermutlich Dr. Pieper (mit dem weißen Hut)

Gruppenbild um 1924
Erkennbare Schützen v.l.n.r.: August Merl, Apotheker Matthias Ditscheid, Peter Rams, Franz Nassen, Willi Schmitz, Lehrer Cohnen ?, Marx Zimmermann, Wilhelm Bunggarten, Gustav Hertling, Hermann Becker, August Nassen, Theo Levy, Josef Scheid, Simon Boden, vermutlich Dr. Pieper (mit dem weißen Hut)

1925: In einem Kostenvoranschlag unterbreitet der Zimmermann Peter Reuschenbach aus Wolfenacker eine Offerte zur Errichtung von zwei neuen Schützenhallen auf dem Schießplatz. „Halle Nr. 1 als Sitzhalle 6 x 10 Meter  Kostenpunkt = 947 RM. Wird die Halle in Rundholz gearbeitet, so ergibt sich ein Preis von 618 Mark. Halle Nr. 2 Schießhalle 4 x 6 Meter = 518,95 Mark, dieselbe in Rundholz gearbeitet = 333,70 Mark. Alles incl. der Beton-Fundamente in fix und fertiger Arbeit“.

1925: Gemäß Anordnung der Besatzung war es der Gesellschaft untersagt, ihre Büchsen zu verwenden. In einem Gesuch an das Militär-Kommando zu Neuwied wegen einer Veranstaltung des „Königsfestes“, befürwortet der amtierende Bürgermeister Rams die Angelegenheit. Er vermerkt als hiesige Behörde u.a.: „…..Der Verein bittet darum, einige der hier abgegebenen Scheiben-Büchsen, die hier auf dem Bürgermeisteramt in Verwahr sind, für die Tage ausgehändigt zu erhalten. Die Kontrolle über die Waffen würde die diesseitige Stelle übernehmen …..“. Der franz. Offizier setzt den Stempel darunter mit dem handschriftlichen Vermerk „Genehmigt“.

Bäckermeister Wilhelm Bunggarten als Schützenkönig der "Hubeener"

Bäckermeister Wilhelm Bunggarten als Schützenkönig der „Hubeener“

1930: Die Gesellschaft organisiert eine Feier zum 75-jährigen Bestehen. Nach Ablauf der Veranstaltung legt der 2. Vorsitzende August Nassen sein Amt nieder, da „Hauptmann Bungarten“ ihn wegen des „Versagens bei der Organisation des Festes“ zu Unrecht kritisiert habe. Nicht weniger mimosenhaft reagiert Wilhelm Bungarten. Schriftlich gibt er am 20. Juli zu Protokoll, daß er die Position als Vorsitzender und Hauptmann niederlege.

Gruppenbild um 1930 Erkennbare Schützen v.l.n.r.: August Merl, Förster Tobias, Theo Levy, Wilhelm Bunggarten, Josef Schäffer, Fridolin Hardt, Hans-Josef Fischer (Marienhaus), Peter Rams, Johann Hertling, Franz Nassen, Heinz Becker, Gustav Hertling, Willi Schmitz, Jacob Boden, Marx Zimmermann, Matthias Ditscheid, Hermann Becker, Willi Nassen, ? Nassen, Ludwig Müller, Förster Schwinnen

Gruppenbild um 1930
Erkennbare Schützen v.l.n.r.: August Merl, Förster Tobias, Theo Levy, Wilhelm Bunggarten, Josef Schäffer, Fridolin Hardt, Hans-Josef Fischer (Marienhaus), Peter Rams, Johann Hertling, Franz Nassen, Heinz Becker, Gustav Hertling, Willi Schmitz, Jacob Boden, Marx Zimmermann, Matthias Ditscheid, Hermann Becker, Willi Nassen, ? Nassen, Ludwig Müller, Förster Schwinnen

1930: Lt. Absprache zwischen der Schützengesellschaft und der „Musikkapelle Waldbreitbach-Hausen“ wird die Musikkapelle für die Veranstaltung des Stiftungsfestes verpflichtet. Es werden „….letztgenannte sämtliche die in Betracht kommende Musik ausführen und zwar 12 Mann guter Musiker. Blasmusik für die Festzüge und Streichmusik für die Tanzsäle einschl. das Aufspielen an der Schießhalle mit 6 oder 7 Mann. Die Tanzgroschen werden von den Musikern erhoben. Die Steuer zahlt die Gesellschaft. Die Musikkapelle soll an die Gesellschaft eine Barabgabe von 100 Mark leisten. Auf dem Schießplatz erhalten die Musiker je 1 Flasche Bier. Am Festsonntag erhalten die Musiker Mittagessen und Kaffee. Bei der Tanzmusik pro Kopf jede Stunde 1 Glas Bier und 1 belegtes Brot“.

1930: Wieder mal hat die Gesellschaft Malaise mit ihrem Kassierer. Dieser hat eine Summe von RM 57,85 aus der Kasse unterschlagen, bzw. zweifelhaft abgerechnet.

20. März 1933: „Die Ortsgruppe der NSDAP“ Waldbreitbach ladet ein zu einer „nationalen Kundgebung anlässlich der Eröffnung des Reichstages – Antreten der Vereine mit Fahne um 7 ¼ Uhr auf dem Platz der alten Schule. Mit deutschem Gruß!“ Die Bewohner werden in einem Rundschreiben aufgefordert: „Aus Anlass der Eröffnung des Reichstages werden der Anordnung der Reichsregierung entsprechend, die Einwohner gebeten, am Dienstag den 21. März ihre Häuser zu beflaggen. Um 7 ½ Uhr Abends findet in Fackelzug statt. Alle Einwohner werden zu Teilnahme eingeladen. Im Anschluß wird auf dem Platz der alten Schule eine nationale Kundgebung veranstaltet. – N.S.D.A.P. Ortsgruppe Waldbreitbach“

27. April 1933: Die „Ortsgruppe der NSDAP“ appelliert an alle Vereine, zur Teilnahme für den „Tag der nationalen Arbeit am 1. Mai“. Es heißt: „Antreten Morgens 8 ½ Uhr sämtl. Vereine des Amtes zum gemeinsamen Kirchgang. Nach dem Festgottesdienst marschieren die Vereine durch den Ort auf den Steinkümpel. Fahnen sind mitzubringen. Feuerwehr und Schützen in Uniform. Abends um 8 ½ Uhr findet im Saale des Wiedischen Hofes ein „Deutscher Abend“ statt.“

Eine der letzten Schriftstücke in der „Schützenakte“ behandelt die Terminankündigung zur „Waldbreitbacher Handwerk und Gewerbeausstellung“ für Sonntag, den 13. Oktober 1933 – Der für die Organisation beauftragte Obmann schließt das Schreiben mit „Heil Hitler“

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